Veränderung – Covid19 und der Abbruch der Reise

Gerade in Zeiten der Krise können wir feststellen wie erstaunlich fragil unsere Zivilisation ist. Angst und Unsicherheit können die Denkweise der Menschen innerhalb kürzester Zeit ändern. Ich erfuhr erster nun erster Hand, was es bedeutet aufgrund der eigenen Herkunft verurteilt zu werden.
Covid19 Reiseabbruch Balige

Wie so viele von uns musste auch ich meine Pläne wegen der aktuellen Gesundheitskrise ändern. Nun ja es ist eben eine Jahrhundertpandemie, da steckst Du nicht drin. Oder eben doch irgendwie stecken wir da ja alle drin.

Ich hatte mich gerade mit dem Gedanken angefreundet mich für die Zeit der Krise in Balige anzusiedeln. Sebastian hatte mir angeboten weiter auf seinem Grundstück zu leben und dafür eben etwas im Garten zu helfen. Die Aussicht war gut. Auf einem riesigen Grundstück leben, wo Gemüse und Obst angebaut wird. Enten ,Gänse und Hühner straucheln einem um die Beine und das Ganze in einer Region in der einem die Fische quasi freiwillig ins Netz springen.

Klingt gut, nicht wahr?

Tja das hatte ich mir auch gedacht. Doch schon nach kurzer Zeit sollte die Stimmung kippen. Ich hatte mich mit Octa von @gooutsideandalive zusammengetan. Auch seine Tour war gescheitert. Eigentlich hatte er vor von Pakistan nach Italien zu fahren.
Wir wollten also das Beste aus der Situation machen und hatten uns vorgenommen zusammen ein wenig campen zu gehen.

Eine brillante Idee, wir würden uns selbst etwas isolieren, Menschenmassen vermeiden und einfach zu zweit am Strand herumhängen bis wir den Dschungel vorziehen würden und ein einfaches Leben mit Zelt und Angel am Fluss führen.

Leider war der Tag, an dem wir zusammen starteten auch der Tag, an dem die Stimmung in Indonesien kippte.
Auf der Suche nach einem einsamen Strand sahen wir doch immer wieder Menschen. Aber wir wollten uns etwas distanzieren und einfach unser Ding machen.
Leider sahen die Leute das anders und vertrieben uns.

Das Problem war ich.

War ich es noch bis vor wenigen Tagen gewohnt, dass wenn ich irgenwo auftauchte die Menschen „Bule! Selpie“ also „Fremder, Selfie!“ riefen, riefen sie jetzt „Bule Corona“.

Die Schreckensnachrichten aus Europa gepaart mit der andauernden Ignoranz der indonesichen Regierung , hatten dazu geführt, dass ich als Inbegriff der Krankheit galt.

Ich war ein Infektionsherd. Einer aus Deutschland, der musste ja quasi Corona haben. Auch die Tatsache, dass ich schon seit Monaten dort war, einen Bataknamen, viele Freunde und so etwas wie eine Freundin hatte waren da nicht überzeugend.

Wir wurden also vertrieben.

Vom ersten Strand, vom zweiten Strand und auch vom Dritten.

Aufgrund des Wetters und der Straßenverhältnisse, sowie der einsetzenden Dunkelheit waren wir gezwungen uns an einem leer stehenden Haus Unterschlupf zu suchen. Kaum angekommen wurden wir beäugt und der Dorfvorsteher gab uns zu verstehen, dass wir verschwinden müssten, sobald der Regen etwas nachgelassen habe. Der Grund, war ich.

Nach viel Diskussion und sich einfach nicht bessernden Wetterverhältnissen wurden wir über Nacht akzeptiert. Nun ja zumindest sagte uns der Dorfvorsteher zu wir könnten bleiben. Immer wieder fuhren Gruppen vorbei und schrien „Corona!“.
Aber was sollten wir tun, zu fahren wäre auch gefährlich? Also blieben wir über Nacht.

Im Schlaf wurden wir geweckt. Der Dorfvorsteher war zurückgekommen um in seinem Stuhl Platz zu nehmen und über uns zu wachen.

Es wird ernst.

Als ich am nächsten Tag nach Balige zurückkehre, hält auch hier die Anspannung an. Die meisten Menschen hier kennen mich zwar und bleiben weiterhin freundlich, aber die wenigen die mich nicht kennen starren mich an. Während der Fahrt werde ich von einem Roller geschnitten und der Fahrer schreit mich an. „Corona!“. Meine Anspannung wächst und ich entscheide mich die Botschaft zu kontaktieren, meine Optionen einmal abzuschätzen.

„Wenn Sie jetzt nicht gehen, schert sich nachher kein Arsch mehr um Sie.“

Ich versuche also herauszubekommen was ich nun tun sollte. Die nächsten Monate auf einem großen Gelände mit Hühnern, Gänsen, Obst- und Gemüsegarten zu verbringen scheint mir attraktiv. Die aktuelle Lage, gibt mir aber zu denken. Bei der Suche nach Flügen ist meine Sorge irgendwo hängenzubleiben aber die Größte. Schlimmer ginge es also nicht, ich würde meinen sicheren Hafen verlassen nur, um irgendwo zu stranden. Irgendwo wo ich niemanden kenne.

Der Botschaftsmitarbeiter teilt mir mit, er hätte im Wesentlichen zwei Optionen für mich und zu keine wolle er mir wirklich raten. Er könne mir aber sagen, dass man aus Botschaftskreisen wisse, dass die indonesische Regierung eigentlich alle Fremden loswerden möchte. Die aktuelle Visumsverlängerung könnte schon bald ihre Gültigkeit verlieren. Es könnte mir passieren, dass ich mein Visum auch nicht mehr verlängern kann.

Nur eines könne er mir mit Sicherheit sagen. Wenn ich jetzt nicht das Angebot des Rückholprogramms annehmen würde, würde sich danach „kein Arsch mehr für mich interessieren“.
Die Ansage war also jetzt oder nie!

Es gibt keine Not.

Ich musste also abwägen und zwar schnell. Das Liebste wäre mir gewesen zu bleiben. Ich hatte keine Lust zurückzukehren, mich gerade eingelebt und die Aussicht auf Deutschland war auch nicht so rosig. Natürlich ich habe noch deutlich bessere Lebensumstände als die meisten anderen. Habe meinen eigen Bauwagen und werde viele Freunde wieder treffen. Es hieß aber auch in eine Situation zu gehen in, der die Krise bereits am Eskalieren war. In eine Gesellschaft, in der sich Menschen um Toilettenpapier prügelten und bereits klar war, dass alle Events des Sommers ausfallen würden. Eine Situation in der die obligatorische Nähe nach so einem Reiseabbruch erst ein mal ausfallen würde.

Es sprach also fast alles dafür zu bleiben. Nur die Unsicherheit über die Reaktion der hiesigen Gesellschaft stand. Als selbst meine engen Freunde sagten, dass es evtl. besser für mich wäre erst ein mal zu gehen wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich das wohl tun sollte.

Es war nicht gegeben, dass Menschen mir gegenüber tatsächlich aggressiv würden, aber es war auch nicht vorauszusehen. Mein weiterer Aufenthalt konnte für mich und meine Gastgeber gefährlich werden. Selbst wenn es nicht zu Gewalt kommen würde, könnte ich meinen Gastgebern wirtschaftlich schaden.
Bestand denn eine Not?

Musste ich denn bleiben?

Die Antwort lautet nein. Noch konnte ich einfach nach Hause gehen. Schweren Herzens entschied ich also nach Deutschland zurückzukehren.


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