Oso Negro – In den Fängen des Bären _ Ciudad del Carmen

Eine Geschichte von Bikern, Bären, Gips und Verrat!
oso negro

Früh am Morgen, 13 Uhr.

Nach mehrmaligen hin- und herrollen und ein paar im Halbschlaf eingeworfenen Aspirin ist es nun so weit. Der gleißende Schein der Sonne und der penetrante Geruch des modrig feuchten Moloch – das wir vergangene Nacht unser Zuhause nannten – machen jeden Gedanken an Schlaf obsolet.

Ich winde mich noch ein paar Mal, sehe aber schnell ein, dass ich verloren habe. Resigniert öffne ich also langsam und vorsichtig meine Augen. Kaum haben meine Lider einen winzigen Schlitz  freigegeben nutzt  die Sonne, der elende Bastard, die Gelegenheit zum Angriff. Sie greift direkt meinen Nucleus accumbens an. Diese geliebte Region meines Gehirns, die mich gestern noch mit so viel Dopamin belohnte wird von einem Speer aus Sonnenlicht durchbohrt.

Leicht taumelnd und mit zusammengekniffenen Augen schleppe ich mich in das Badezimmer. Das Epizentrum des hier vorherrschenden Duftes.
Ich komme nicht drumherum ausgedehnt zu würgen, muss aber trotzdem pissen.
Auch das Entfernen des Pelzes auf meinen Zähnen scheint mir recht attraktiv und verspricht eine Verbesserung meiner aktuellen Lage.

Als ich mit der Zahnbürste im Mund in den Spiegel starre und das ganze Ausmaß der Zerstörung anblicke, verfluche ich das Universum.
Warum immer ich?

Schnell sehe ich ein, dass an diesem Schlamassel heute nichts mehr zu machen ist. Also bringe ich noch einmal alle Kraft auf und schleppe mich elend zurück zu „meinem“ Bett. Kaum habe ich mich fallengelassen öffnet sich die Tür.
Als sich der betäubende Schmerz in meinem Kopf und die mittelgradige Verbrennung meiner Netzhaut langsam beruhigen, erkenne ich den Grund für das unerwartete Öffnen. Es ist Flo, mein Sidekick. Netter gesagt mein Reisekumpane. Aus aktuellem Anlass auch der elende Verräter, der für meinen Geschmack deutlich zu breit lächelt. Nachdem er mir unter die Nase gerieben hat, was er heute schon alles erlebt habe, rekonstruieren wir die Geschehnisse des Vergangen abends.

Teilsanierung – Rekonstruktion eines Abends

Wir hatten am Morgen also unser Camp am Strand abgebrochen und  waren nach Ciudad del Carmen gekommen. Natürlich hatten wir nicht auf die Gelegenheit verzichtet uns noch einen Kanister mit frischem Kokoswasser zu füllen.
Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.
Kaum hatten wir uns die Strandpromenade angesehen und in der Ferne sogar einen Delfin gesichtet, zogen wir in die Innenstadt. Heute würde ein glorreicher Abend werden.
Tatsächlich entdeckten wir auch recht bald ein Bikertreffen und konnten unser Glück kaum fassen. Was für eine Gelegenheit!
Da wurde nicht lang geschnackt, wir zogen sofort los um unsere Motorräder und einen Liter Oso Negro zu holen. (Oso Negro, der ; deutsch, Schwarzbär; ein fürchterlicher Wodka der nichtsahneneden Touristen von vermeintlich netten Tacoverkäufern empfohlen wird.)zu holen.

So gut ausgestattet stürzten wir uns in das Partygeschehen. Beim Anblick dessen wurden in mir sofort Kindheitserinnerungen wach.
Schnell fanden wir Freunde und zogen mit diesen über das Gelände. Das Gemisch aus Wodka und Kokoswasser stets zur Hand – meiner Hand- fühlten wir uns für alles gewappnet.
Das war der Zeitpunkt, als mein geliebter Sidekick zum Verräter wurde.
Aus Florian wurde Brutus.
Naiverweise hatte ich gedacht wir würden den Wodka teilen, dabei entging mir völlig, dass eigentlich nur ich ihn trank. Flo oder besser Brutus, hatte mich mit dem Gift alleingelassen.
Ich musste mich dem schwarzen Bären also selbst und ohne jede Hilfe stellen.
Wenigstens besaß mein Sidekick noch den Anstand mich und beide Motorräder zurückzufahren.

Elend ohne Ende

Ok, wir haben unsere gemeinsame Rekonstruktion also abgeschlossen und ich bin mir des Laufes der Dinge wieder bewusst, oder kann diese zumindest ungefähr nachvollziehen.
Zu meiner großen Freude haut Flo wieder ab und lässt mich allein. Da bin ich ganz Katze, ich mag dich zwar, aber sterben will ich allein.
Vom Hunger getrieben raffe ich mich irgendwann auf. Zum Glück hatte ich ganz in der Nähe ein kleines Burgerlokal entdeckt. Quasi gleich auf der anderen Straßenseite. Es war mir durch das große Poster mit psychodelischen Pilzgrafiken aufgefallen.

Ich schreite also an den Tresen und bestelle mir einen Burger. Der Verkäufer mit dem schrägen Lächeln und den stark geröteten Augen eröffnet mir, dass er gar keine Burger verkaufe. Er wirkt irritiert, dass ich einzig und ausschließlich aufgrund einer groß gedruckten Speisekarte auf die absurde Idee kam, er würde tatsächlich auch Burger verkaufen.
Stattdessen zeigt er mir eine eindeutig männliche Hanfpflanze  und fragt  mich nach meiner Meinung dazu. Meine Einschätzung der Pflanze macht ihn alles andere als glücklich, aber er lädt mich dennoch auf einen Joint ein.
Wir setzen uns also vor den Laden und ein weiterer Mann taucht auf. Ein dicklicher Kerl, der insgesamt intellektuell eher minderbegabt wirkt, aber erstaunlich gut Englisch spricht. Wir sitzen also da und rauchen zusammen den Joint. Der Burgerverkäufer plärrt auf Spanisch während Hodor mit gefalteten Händen alles brav übersetzt und mich immer wieder anlächelt.
Es geht um Actionfiguren, Frauen und allerhand andere wenig vereinbare Themen.
Als ich gerade bemerke, dass der „Joint“ im Begriff ist meinen maroden Körper zu einem Totalausfall zu führen, eskaliert die Situation. Schreiend und fluchend zerschmettert der angebliche Burgerverkäufer einen Gegenstand auf der Straße. Der Übersetzter erklärt mit engelsgleicher Ruhe, dass ich die Gefühle des Eskalierenden verletzt habe. Gefangen zwischen den Beiden bemmerke ich, dass mein Sichtfeld sich einengt und die schwarze Fläche

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