Bukit Lawang-Into the Wild

Nach einer eher unangenehmen Erfahrung in Medan, flüchte ich also ins idyllische Bukit Lawang. Langhaarige junge Männer mit Gitarren bestimmen das Bild des Ortes, der Dschungel lockt mit seiner artenreichen Fauna.

Nachdem ich meine Lebensmittelvergiftung in Medan in vollen Zügen ausgekostet habe und meine Stimmung die klimatischen Umstände (zu diesem Zeitpunkt grau und nass) zu adaptieren trachtet, beschließe ich den Kauf meines Motorrads noch etwas aufzuschieben.
Das Reisen mit dem Motorrad ist zwar der Königsweg des Backpackings, macht aber bei ständigem Regen eher mäßig Spaß.

Ich stürze mich also in den öffentlichen Personenverkehr, um Bukit Lawang und damit verbunden den Dschungel zu erreichen. Erstmal drei Tage wandern, das würde mir einen Eindruck der Situation verschaffen.

Als ich am Abend die Bushaltestelle erreiche, bin ich zunächst einmal überrascht, dass ich dort tatsächlich abgeholt werde.
Das Feld zur geschätzten Ankunftszeit bei booking.com, hat also einen praktischen Zweck. Bisher hielt ich es für einen propagandistischen Angriff der Leistungsgesellschaft auf den entspannten Lebens- und Reisestil. Eine ständige Ermahnung zu Struktur und ordentlichem Zeitmanagement.

Kaum in meinem Guesthouse angekommen, werde ich auch sogleich mit den unzähligen Möglichkeiten, die ich habe überflutet. Während der Guesthousemanager mich gleich am nächsten Morgen in den Dsschungel schicken will, prangert auf der Karte des inbegriffenen Restaurants „No activity today? Join our Cookingclass!“
Moment mal, so nicht. Zumindest nicht mit mir. Ich bin schließlich Müßiggänger mit Prädikat und mir nicht ganz sicher wie es um meinen Magen bestellt ist. Im klinisch sauberen Unocapsule in Medan, war das schon kein Spaß, aber im Dschungel wäre die Rückkehr der Dirrhea fatal. Selbst mein Abenteuergeist kennt da Grenzen.

Glücklicherweise treffe ich auf Emma und Maxim, welche mir eröffnen, dass sie in zwei Tagen losziehen wollen. Aha, da ist sie also die ersehnte Entschleunigung. Darauf kann ich mich einlassen. Heute erst mal Gesundheitscheck mittels Zuführung von Gerstensaft und genauer Beobachtung der Reaktion meines Magens.

Die gewonnene Zeit nutze ich, um mir den Ort einmal genauer anzusehen. Es ist ruhig und beschaulich in Bukit Lawang , die Anzahl der potenziellen Dschungelabenteurer überschaubar. Der Ortsbild ma0geblich geprägt von den jungen männlichen Bewohnern des Ortess, die mit ihren langen Haaren und Gitarren herumlungern und einem ein freundliches „hey bro“ zurufen.

Bei einem Rundgang durch den Ort und einer genaueren Analyse der zur Verfügung stehenden Unterkünfte, wirds schnell klar, dass dies wohl nicht immer so ist. Der Regen hat wohl auch seine Vorzüge.

hdr

Es geht also los.
Zusammen mit dem handverlesenen internationalen Team, bestehend aus Maxim und Emma den furchtlosen Franzosen, James dem bereitwilligen Briten, Jojo, Berry und Ahmed den indonesischen Insidern und natürlich meiner Wenigkeit.
Der Dschungel-Treck in Kambodscha seinerzeit war ein Spaziergang im Vergleich zu den hügeligen Landschaften hier.
Der deutlich intensivere Marsch wird aber auch mit einer entsprechenden Erfahrung bezüglich der hiesigen Fauna entlohnt.
Makaken, Pigtailmakaken (sehen aus wie Baboons), Lemuren, und natürlich Orang-Utans gibt es hier in Hülle und Fülle.
Nach einem dreistündigen Marsch, kommen wir zum ersten Mal in das Vergnügen auf unsere haarigen Verwandten aus den Wäldern zu treffen.

  • Orang Utan in Bukit Lawang, Sumatra
  • Makake am Fluss, Bukit Lawang, Sumatra
  • Makake Bukit Lawang, Sumatra

In den nächsten Tagen testen wir noch ausgiebig unsere Hitzebeständigkeit und stellen erstaunt fest, welch enormen Mengen Schweiß der menschliche Körper abzusondern vermag.
Glücklicherweise warten Jojo und Berry in den Pausen immer wieder mit künstlerisch dargebotenen Früchten und Fried Rice auf.

Einziges Problem sind die gelegentlich plötzlich auftauchenden Kunstliebhaber. Wie für ihre Kaste typisch zeichnen sie sich durch ein ausgezeichnetes ästhetisches Empfinden, aber eher geringe soziale Intelligenz aus.


Das macht die Pausen zwar weniger entspannend, dafür aber umso spannender. „Run!“ mutiert schnell zur meist verwendeten Phrase.

In den Camps sind wir Banausen glücklicherweise unter uns und tun was für uns standestypisch ist. Herumlungern, Karten spielen und wenigstens ich rauche. Lediglich Ahmed versucht mit seinen aufwendigen und ausgezeichneten Speisen, das Ambiente zu stören. (Im Ernst, wenn ihr Ahmed als Feldkoch dabei habt, wird das auch eine kulinarische Exkursion).

Die Camps sind jeweils am Fluss gelegen, was nach einer langen und anstrengenden Wanderung eine willkommene Abkühlung bietet. Auch das sich dadurch bietende Ambiente ist kaum zu übertreffen, wenn Du am Morgen aufstehst und während Deines ersten Kaffees an Dir vorbei 30 Makaken den Fluss hinauf hechten, hat das schon was.
Einziger´Nachteil natürlich ist der Geräuschpegel, wer hier an das sanfte Plätschern eines Baches denkt, hat weit gefehlt. Ich habe mir in Weiser Voraussicht und Erwartung der Stille des Dschungels natürlich keine Ohrstöpsel mitgenommen. Ich bin ja nicht in einem Partyhostel, sondern schlafe im Dschungel.
Oh welch wunderbare Fehleinschätzung. 5 Betrunkene Australier sind nichts gegen einen vom Regen angeschwollenen Fluss.
An unserem letzten Tag wollen wir also zurückraften, müssen aber warten bis der Fluss etwas abgeschwollen ist. Die kontinuierlichen Regenfälle des Vortages haben den Pegel enorm ansteigen lassen und uns somit vom nahegelegen Wasserfall abgeschnitten.

Ahmed nutzt mal wieder die Gelgenheit, um ordentlich anzugeben. Sternekoch, seefester Kapitän und Superheld.
Ungeachtet der Fluten bringt er die Rafts den Fluss hinauf. Beim Anblick dieser herkulischen Gestalt, welche sich gegen die Gewalten der Natur durchsetzt, überkommen mich maßgeblich zwei Gefühle.
Erstens, tiefe Ehrfurcht. Was für eine Gestalt von einem Mann sich da gegen die Fluten stellt. Zweitens, Scham. Dass dieser Mensch gewordene Halbgott das lediglich tut, damit wir unsere gepuderten europäischen Ärsche für 10 Euro p.P. in die Rafts setzen können.
Spaß gemacht hat es trotzdem und wenn Ahmed nicht ein ebenso guter Schauspieler wie Koch ist, hat es auch ihm Spaß gemacht. Also alles gut.

Der Heros, was für eine Erscheinung.

Infos

Bukit Lawang, Sumatra
Übersichtskarte, Bukit Lawang

Ankommen: Von der Stasion Medan mit dem Zug nach Binjai für 15000 Rupiah. Dort 3 Minuten Fußmarsch zur Binjai Supermall. Wartet hier auf einen der Publicbusses. Die Busse fahren alle 30 Minuten und kosten maximal 50.000 Nicht 100.000!

Schlafen: Rainforest Guesthouse 40-50.000 mit shared Bathroom oder 75.000 für den private bathroom.

Ausgehen: Thomas Guesthouse, die Liveband ist gut und wenn etwaas los sein solllte dann hier.

What to do?

Dschungeltrekking: Du kannst wählen, ob Du einen oder ganze 5 Tage Trekking machen wollt. Ich empfehle minimum 3 Tage. Im Folgenden die Preise für die Tour. Drei Personen sind Minimum, möchtest Du mit dem Tuberaft zurück, musst Du 10 Euro extra zahlen. Das ist es aber auf jeden Fall wert.

  • 1 Tag 45€ ist eigentlich zu kurz und nur zu empfehlen wenn Du wirklich keine Zeit hast.
  • 2 Tage 80€
  • 3 Tage 110€ Ausgewogen in Sachen Zeit und Kosten. Auf jeden Fall eine gute Wahl.
  • 4 Tage 155€
  • 5 Tage 190€ Wenn Du auch eine Chance auf Tiger und wilde Elefanten willst, ist das die Richtige Tour.

Caving: Unweit von Bukit Lawang findet sich eine Höhle. 25.000 Rupiah für Eintritt, Taschenlampe und Guide.

Tubing: Die Tubes kannst du bei mehreren Guesthouses mieten. Lass Dich einfach treiben und steige bei der Brücke wieder aus. Mit dem Public Transport kommst Du für 10.000 Rupiah auch wieder zurück. Schau dir den Fluss vorher an, dieser kann hier manchmal etwas wild sein.

Wegkommen: Mit dem Public-Bus nach Medan für ca. 50.000 Rupiah. Von dort kannst DU für weitere 50.000 nach Parapat. Die Fähre von Parapat nach TukTuk kostet 15.000

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