Joyce Sitompul Auferstehung in Jangga

Joyce Sitombul

Joyce ist 58 und hat eine warme und gutherzige Ausstrahlung. Als ich sie mittags in Balige kennenlerne, erzählt sie mir von ihrem Projekt und lädt mich dazu ein, mir das Ganze einmal genauer anzusehen.

Eine Gelegenheit, die ich mir natürlich unmöglich entgehen lassen kann.

Nach einer zweistündigen Fahrt über die holprigen Straßen der Region kommen wir in Jangga an.

Jangga ist ein kleiner Ort, neben einer Kirche gibt es hier noch vereinzelte einfache Gebäude. Ein paar Hunde streunen herum und sonst gibt es hier erst mal nichts zu sehen.
Abgesehen natürlich, von dem mit seinen Farben und aufwendigen Verzierungen aufwartenden Rumah Bolon (großes Haus) in der Mitte des Ortes und der sich daneben befindenden Baustelle.

   Warum also hatte Joyce sich ausgerechnet für diesen Ort entschieden und wie kam sie auf die Idee ein solches Projekt ins Leben zu rufen?

Joyce hat 15 Jahre lang mit ihrer Familie in den USA gelebt, als zwei ihrer Kinder ihr Studium abgeschlossen hatten und die Jüngste kurz davor stand, entschied sie, dass sie mehr vom Leben bekommen habe als sie sich hätte träumen lassen.
„Jetzt wollte ich meiner Heimat und Gott etwas zurückgeben“

2011 begibt Sie sich also nach Jakarta, um dort in einem Zentrum zur Kultur der Batak zu arbeiten. Aus ihrem Interesse als Architektin heraus suchte sie nach Aufzeichnungen zur Errichtung der traditionellen Häuser, wurde jedoch nicht fündig. Sie versuchte es in mehreren Bibliotheken im ganzen Land, doch niemand hatte je die Errichtung eines solchen Gebäudes dokumentiert.
Nun wusste Joyce, was sie tun wollte um zum Erhalt der Kultur ihrer Ethnie beizutragen.

Sie wollte ein solches Haus historisch korrekt errichten und den Prozess genaustens dokumentieren.

Es galt also einen geeigneten Ort und Sponsoren für das Vorhaben zu finden. Ein Unterfangen, das  sich als äußerst schwierig herausstellen sollte.


„Niemand wollte mich unterstützen und selbst meine Familie verstand mein vorhaben nicht. Ich begannn zu zweifeln. War mein Vorhaben denn so verrückt?“

Als sie 2015 kurz davor stand aufzugeben, wendete sie sich an einen Freund. Den auf den Erhalt historische Gebäude spezialisierten Architekten Gregorius Antar Awal – besser bekannt als Yori Antar.
Er bestärkte sie in ihrem Vorhaben und versprach ihr zu helfen.

„Es war wie ein Wunder“

Nur vier Monate später sollte sich in Jangga eine Tragödie ergeben, die den Startschuss für das Projekt gab. Hier in dem kleinen Ort waren fünf alte Häuser abgebrannt und damit für immer verloren.
Als Joyce davon hörte, wusste sie sofort, dass dies der Ort für ihr Projekt sein sollte. Sie könnte ihr Vorhaben umsetzen, das Dorf wieder errichten und den Bewohnern eine langfristige Perspektive und Anstellung bieten.

So gut dieses Vorhaben auch klang, war es dennoch nicht leicht die Dorfbevölkerung davon zu überzeugen. Bei den Batak ist auch heute der Glaube an Geister weit verbreitet. Die Bewohner fürchteten sich davor an einem so unheilvollen Ort zu bauen.

„Wir haben einen Tag und eine ganze Nacht diskutiert. Als wir um 6 Uhr am morgen endlich fertig waren, hatte ich sie überzeugt“

Yogi Antar fand derweil in Lisa Tirto Utomo –  Geschäftsführerin von PT Tirta Sibayakindo und PT Aqua Golden Mississippi- eine geduldige und engagierte Sponsorin. Selbst als das Projekt länger stagnierte, und deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, blieb Lisa geduldig und generös.

„Du hast mir einmal gesagt, jede Batak braucht ihren Ulos. Ich möchte nicht, dass mir etwas passiert bevor deiner fertig ist.“
(Lisa Tirto Utomo)

Seit drei Jahren wird nun also an der Fertigstellung des Hauses gearbeitet. Die Arbeit ohne Maschinen und der hohe Anspruch an die  Art der Konstruktion und die verwendeten Materialien bedingen dies. 

Allein die  Rezeptur für die Farbe zu finden dauerte vier Monate.  

„Ich glaube manchmal, die Arbeiter mögen mich deshalb nicht. Aber ich habe allen gesagt, dass wenn sie wollen, dass ich das Projekt leite, dann wird es auch so gebaut“

Und sie hat recht damit, denn hier geht  es nicht nur darum ein einzelnes Haus zu  errichten. Es geht auch darum, die traditionelle Bauweise und das Wissen darum für die Nachwelt zu erhalten.
Sechs Monate lang haben vier angehende Architekten und ein bereits  ausgebildeter Architekt in dem Projekt gelebt und eine ausführliche Dokumentation erstellt. Diese soll am Ende in Buchform erscheinen.

Noch fehlt es an finanziellen Mitteln, um den Druck zu finanzieren.

Doch Joyce gibt nicht auf und treibt das Projekt weiter voran. Ich bin mir sicher, sie wird damit Erfolg haben. Sobald das Buch gedruckt ist, werde ich auf jeden Fall davon berichten.

Heute steht bereits das Haus der Frauen  – auch großes Haus (Rumah Bolon) genannt. Das Haus der Männer befindet sich noch im Bau.

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